Rohstoffmonitoring-Bericht NRW: Studie entlarvt Mythen – Kiesbedarf bleibt hoch, Genehmigungen brechen weg


Niederrhein, 1. April 2026 – Die Initiative zukunft niederrhein begrüßt ausdrücklich den Ansatz eines wissenschaftlich fundierten Rohstoffmonitorings. Die nun vom NRW-Wirtschaftsministerium vorgestellte Studie des RWI  bestätigt zentrale Aussagen der Branche und widerlegt zugleich zentrale Narrative der organisierten Kiesgegnerschaft.

Der Monitoringbericht stellt schon im ersten Satz unmissverständlich fest: „Die NRW-Industrie wird auch in den kommenden zehn Jahren noch in erheblichem Umfang auf die Gewinnung des Primärrohstoffs Kies und Sand angewiesen sein. “Zudem wird die wirtschaftliche Bedeutung klar benannt: „Die Sicherung der Versorgung der Bauindustrie mit Rohstoffen ist bedeutsam, weil eventuelle Engpässe mit wachstumshemmenden Auswirkungen verbunden sein könnten.“

„Wir haben ein wissenschaftliches Monitoring immer unterstützt, weil wir genau dieses Ergebnis erwartet haben“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer der Initiative zukunft niederrhein. „Nordrhein-Westfalen wird auch in zehn Jahren noch über 50 Millionen Tonnen Sand und Kies aus regionaler Gewinnung benötigen, bei einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung sogar bis zu 57,5 Millionen Tonnen. Genau das wurde von der Anti-Kies-Lobby jahrelang bestritten.“

Kein Rückgang, die Realität widerspricht der politischen Darstellung

Die vom NRW-Wirtschaftsministerium verbreitete Interpretation eines sinkenden Bedarfs ist irreführend. Sie basiert in der Studie auf einem Vergleich mit dem außergewöhnlich hohen Produktionsjahr 2022 und blendet die aktuelle Marktentwicklung vollständig aus. Tatsächlich liegt die Produktion bereits heute unter den prognostizierten Bedarfswerten für 2035.

Ein realer Nachfragerückgang lässt sich aus der Studie daher nicht ableiten. Im Gegenteil: Setzt man die Prognosen in Bezug zur aktuellen Produktion, ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf: im Mittel bei rund vier Prozent, bei positiver wirtschaftlicher Entwicklung sogar bis zu zwölf Prozent.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet das gleiche Institut, welches das Rohstoffmonitoring für die Landesregierung erstellt hat, in einer zeitgleich veröffentlichten Studie im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden2 zu einem klaren Mehrbedarf kommt. Dort wird für 2035 in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Primärrohstoffnachfrage prognostiziert, der überwiegend auf Sand, Kies und Naturstein entfällt. Die Annahme, der Bedarf werde automatisch sinken, ist damit selbst durch die eigenen wissenschaftlichen Grundlagen nicht gedeckt. „Wer jetzt von sinkendem Bedarf spricht oder sogar das Aussetzen von Genehmigungsverfahren fordert, hat die Studie entweder nicht gelesen oder bewusst missverstanden“, so Kruchen. „Die Realität ist eine andere: Der Bedarf bleibt hoch und die Versorgung wird schwieriger.“ 

Recycling: Studie beendet Wunschdenken

Die Studie setzt auch beim Thema Recycling einen klaren Faktencheck. Das zusätzliche Aufkommen an Recyclingbaustoffen steigt bis 2035 im Mittel lediglich um gerade einmal 0,6 Millionen Tonnen. Das entspricht nur gut einem Prozent des prognostizierten Bedarfs an Sand und Kies. Hinzu kommt noch, dass diese Mengen laut Bericht nicht vollständig als Ersatz für Sand und Kies zur Verfügung stehen, da sie auch andere Rohstoffe substituieren. Der tatsächliche Entlastungseffekt ist also noch geringer.

„Wir stehen klar hinter der Kreislaufwirtschaft und unterstützen jede sinnvolle Nutzung von Recyclingbaustoffen“, erklärt Kruchen. „Aber wir haben immer gesagt: Die Potenziale sind minimal. Die Studie bestätigt genau das. Die ideologischen Recycling-Fantasien der Kiesgegner haben damit keine Grundlage mehr.“

Besonders alarmierend ist vor diesem Hintergrund die tatsächliche Genehmigungssituation. Selbst wenn man hier die Annahmen der Studie zugrunde legt, müssten weiterhin über 90 Prozent des Bedarfs durch heimische Gewinnung gedeckt werden. Gleichzeitig brechen die genehmigten Gewinnungsmengen insbesondere am Niederrhein dramatisch ein: Im Regierungsbezirk Düsseldorf sinken sie bei unseren Unternehmen bis 2035 faktisch auf null, weil es keine wirklich verfügbaren Flächen mehr gibt. Auch im Bereich des Regionalverbands Ruhr verbleiben nur noch minimale Mengen. „Die Studie beschreibt einen klaren Bedarf, aber die Politik verhindert zunehmend dessen Deckung“, so Kruchen. „Das ist der eigentliche Widerspruch.“ Ohne eine verlässliche und realitätsnahe Genehmigungspolitik läuft Nordrhein-Westfalen sehenden Auges in eine strukturelle Baurohstofflücke.


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