FAQ – Häufige Fragen und Antworten


Auf dieser Seite beantworten wir häufige Fragen zur Sand- und Kiesgewinnung und unserer Industrie am Niederrhein. Falls Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie uns bitte an info@zukunft-niederrhein.de!

Alle Fragen und Antworten auf einen Blick können Sie sich auch hier herunterladen:

Rohstoffmangel

Nein, derzeit gibt es noch keinen unmittelbaren Mangel. Aufgrund der langen Genehmigungsverfahren (> zehn Jahre), verschiedener Werksschließungen und der komplizierten rechtlichen Rahmenbedingungen drohen in den kommenden Jahren jedoch massive Versorgungsengpässe bei Sand und Kies.

Ja. Die Kieswerke am Niederrhein arbeiten momentan an der Kapazitätsgrenze. Bei einigen unserer Mitgliedsunternehmen ist es 2018 erstmalig vorgekommen, dass die nachgefragten Baurohstoffe kurzfristig ausverkauft waren. In diesem Zeitraum konnten die betroffenen Unternehmen keine neuen Kunden mehr annehmen.

Nein, denn in der Sand- und Kiesindustrie wird strikt nachfrageorientiert produziert. Große Rohstoffvorräte gibt es nicht. Die Rohstoffe, die man in den Werken liegen sieht, sind ausschließlich sogenannte „Pufferhalden“. Damit können auch in der Winterzeit und bei Betriebsstörungen Lieferverträge erfüllt werden. In der Regel sind diese Halden innerhalb weniger Tage verbraucht. Außerdem lagert in den Werken manchmal Abraum, der nach der Rohstoffgewinnung zur Rekultivierung genutzt wird.

In Deutschland könnten durch die Versorgungsengpässe zukünftig viele Großprojekte nicht mehr planmäßig abgeschlossen werden. In NRW würde beispielsweise der geplante Infrastrukturausbau ins Stocken geraten. Die Folge: Immer mehr Menschen müssten mit dem Verkehrschaos auf den Straßen kämpfen. Darüber hinaus ist es auch wahrscheinlich, dass der Rohstoffmangel beim Häuserbau spürbar wird: Das Bauen könnte erheblich teurer werden.

Derzeit liegt die Verwertungsquote bereits bei 90 Prozent. Davon gelangen etwa 40 Prozent als Ersatzbaustoffe für anspruchsvolle Einsatzbereiche im Hoch- und Tiefbau sowie in der Baustoffproduktion zurück in den Kreislauf. Die übrigen 60 Prozent werden für weniger anspruchsvolle Anwendungen wie Verfüllungen und Dammbauten verwendet.

Eine Steigerung der Recyclingquote ist kaum möglich. Denn: In Deutschland werden hohe Anforderungen an Baumaterialien gestellt, die Recycling-Baustoffe häufig nicht erfüllen können. So müssen sie zum Beispiel gleichwertige physikalische oder chemische Eigenschaften wie Baustoffe aus Primärrohstoffen haben. Außerdem dürfen sie keine Gefahr für die Umwelt darstellen. Deshalb bestimmen festgelegte Grenzwerte für Schadstoffe, die vor dem Recycling in die Materialien gelangt sein könnten, inwieweit Recycling-Baustoffe eingesetzt werden dürfen. Sie dürfen etwa nicht mit dem Grundwasser in Verbindung kommen und eignen sich deshalb nur bedingt für den Tiefbau.

Selbst wenn man es erreichen könnte, sämtliche mineralischen Abfälle einer hochwertigen Wiedernutzung zuzuführen, würde dies nur etwa 40 Prozent des Baustoffbedarfs abdecken. Primärbaustoffe würden also nicht obsolet. Um mehr Recycling-Baustoffe zu erhalten, müsste daher mehr abgerissen werden.

Die folgende Grafik zeigt die Verwertung von Gesteinsrohstoffen und Bauabfällen:

Grafik: MIRO

Wüstensand ist dem Wind ausgesetzt und dementsprechend rund geschliffen. Deshalb kann er für den Haus- und Straßenbau nach unseren Qualitätsstandards in Deutschland nicht eingesetzt werden.

Export/Import

Ja. Neben Lebensmitteln, Maschinen und Kraftfahrzeugen werden auch Baurohstoffe wie Sand und Kies vom Niederrhein aus ins Ausland geliefert. Viele Baurohstoffe kommen später in Betonfertigteilen verbaut nach Deutschland zurück.

Das schwankt abhängig von der Konjunktur und Genehmigungslage in den einzelnen Ländern. Laut statistischem Bundesamt gingen 2016 deutschlandweit etwa 6 Prozent (rund 15 Millionen Tonnen Sand und Kies inkl. Feldstein) von den insgesamt gewonnenen 247 Millionen Tonnen Bausand/-kies ins Ausland. In die Niederlande wurden rund 9,5 Millionen Tonnen exportiert. Damit kann unser Nachbarland aber gerade einmal rund 13 Prozent seines Bedarfs decken. Wie viel genau vom Niederrhein ins Ausland geht, kann aus kartellrechtlichen Gründen nicht erfasst werden.

Deutschlandweit wird in verschiedene EU- und Nicht-EU-Länder exportiert. Der Niederrhein liefert ausschließlich nach Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Das hängt mit dem logistisch sinnvollen Lieferradius zusammen. Sand und Kies sind sehr transportkostenintensiv. Lange Lieferwege sind daher nicht wirtschaftlich. Durchschnittlich legen Sand und Kies nur ca. 40 bis 50 Kilometer mit dem LKW von der Gewinnung zur Verwendung zurück, per Schiff geht es auch schon mal bis Antwerpen.

Das tun sie überwiegend. In den Niederlanden wurden 2016 zum Beispiel rund 70 Millionen Tonnen Sand und Kies gewonnen. Das Problem: Die geologischen Voraussetzungen sind von Land zu Land höchst unterschiedlich. So gibt es in den Benelux-Staaten nicht genug Kies und qualifizierte Sande, die unter anderem für die Betonherstellung benötigt werden.

Ja. Im Jahr 2016 hat Deutschland zum Beispiel fast 3 Millionen Tonnen Sand und Kies importiert. Wir importieren diese Baurohstoffe etwa aus Frankreich aber auch aus den Niederlanden. Ein Grund ist, dass das richtige Verhältnis von Sand und Kies für die Weiterverarbeitung entscheidend ist. Hersteller von Beton benötigen zum Beispiel ein Gemisch aus 60 Prozent Kies und 40 Prozent Sand. Genau so wird man es aber in der Natur selten finden. Im Süden Deutschlands gibt es deutlich mehr Kies als Sand, im Norden oder zum Beispiel in den Niederlanden ist es andersherum. Deshalb importieren sand-arme Länder Sand und kies-arme Länder entsprechend Kies. Der gewonnene Überschuss wird exportiert.

Das wird schwierig. Mögliche Importländer wie Norwegen, Schottland oder rohstoffreiche Bundesländer wie Sachsen-Anhalt könnten die große Nachfrage allein nicht decken. Ein Import ist auch logistisch nur schwer machbar. Das liegt zum einen an den geringen Transportkapazitäten und zum anderen an den hohen Transportkosten. Eine Einfuhr wäre damit sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll. Denn auch die Umwelt würde enorm unter den zusätzlichen Emissionen leiden.

Abbaugebiete

Das ist ein langer Weg. Folgende grobe Schritte mit vielen Beteiligten sind dafür nötig:

Grafik: Lutz Kamieth

Nein. Es gibt in der Literatur keine Belege dafür, dass Baggerseen negative Einflüsse auf die Qualität des Grundwassers haben. Demgegenüber gibt es einige wissenschaftliche Studien, zuletzt durch den Rhein-Kreis Neuss 2017, die belegen, dass durch Baggerseen keine relevanten grundwassergefährdenden Schad- oder Nährstoffe in das Grundwasser gelangen.

Ganz im Gegenteil: Denn aus ökologischer Sicht gelten Baggerseen als nährstoffarm. Erst das zuströmende Grundwasser bringt die Nährstoffe mit. Die Baggerseen bauen diese Belastungen (z.B. Nitrat) – wie in einer biologischen Kläranlage – ab. Sie funktionieren als sogenannter Stoffsenken und können so zur Verbesserung der Grundwasserqualität beitragen. Der Prozess kann nur funktionieren, weil Licht und Luft mit dem Wasser in Berührung kommen. Da viele physikalische, hydrochemische und biologische Prozesse bei ähnlichen Rahmenbedingungen in gleicher Weise ablaufen, sind diese Ergebnisse grundsätzlich auf andere Baggerseen übertragbar.

Neben Flächen für die Rohstoffgewinnung benötigen wir zum Beispiel auch Flächen für Land- und Energiewirtschaft (Windräder, Kompressoren, Pipelines etc.) sowie Flächen für Natur- und Artenschutz sowie Wohngebiete. Um die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, setzen wir uns für sinnvolle Planungen ein. Pipelines könnten beispielsweise rund um (statt mitten durch) ein Abbaugebiet gelegt werden oder andere Nutzungen zeitweise vor und nach der Rohstoffgewinnung genehmigt werden. So können Flächen mehrfach genutzt werden und verschiedene Branchen würden profitieren.

Nein. Die Sand- und Kiesunternehmen sind dazu verpflichtet, eine Vielzahl von Gutachten bei der verfahrensführenden Behörde einzureichen. Dazu gehören unter anderem eine Artenschutzprüfung und ggf. eine Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Verträglichkeitsuntersuchung, außerdem eine Umweltverträglichkeitsstudie sowie der Landschaftspflegerische Begleitplan. Durch diese Gutachten wird sichergestellt, dass die Rohstoffgewinnung umweltverträglich abläuft. Schon während der Abgrabungen entstehen aufgrund der vielseitigen Beschaffenheit der Abbaustätten für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten neue Lebens- und Rückzugsräume. Dank umfangreicher Rekultivierung haben sich viele ehemalige Gewinnungsstätten zudem zu wertvollen Naturräumen entwickelt, in denen sich am Niederrhein selten gewordene Tier- und Pflanzenarten wieder ansiedeln. Übrigens: Ein ausgereiftes Rekultivierungskonzept (Herrichtungsplan) für die Zeit vor, während und nach der Rohstoffgewinnung legen die Unternehmen bereits dem Genehmigungsantrag bei.

Nachfolgenutzung

Wir sind immer darauf bedacht, intelligente Gesamtkonzepte zu entwickeln, die Mensch und Natur gleichermaßen berücksichtigt. Eine mögliche Lösung wäre es, die bei der Rohstoffgewinnung entstehenden Seenlandschaften stärker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und durch Grünzüge zu vernetzen. Erste Konzepte zur Umsetzung dieser Ideen wurden bereits von unseren Mitgliedsunternehmen vorgelegt. Weitere sollen folgen – etwa zum Bau von Wohnungen am und auf dem Wasser oder zur Entwicklung von modernen Fahrradwegkonzepten. Ein weiteres Zukunftskonzept ist die Energieerzeugung mit Solaranlagen, die auf Baggerseen treiben. Die erste Anlage dieser Art ist in den Niederlanden bereits in Betrieb.

Ja, das geht und einige (Trocken-)Abgrabungen werden auch verfüllt. Allerdings sind Verfüllungen gesetzlich stark reglementiert. Eine Wieder-Verfüllung von Baggerseen ist nach den derzeit geltenden gesetzlichen Regeln nur sehr eingeschränkt gestattet.

Das Errichten und Erhalten hoher Zäune ist eine Auflage der Abbaugenehmigung. Bei aktiven Abgrabungen macht dies im Zuge der Verkehrssicherung durchaus Sinn. Nach Abschluss der Rekultivierung sind Zäune häufig überflüssig, werden oft aber weiter von der Genehmigungsbehörde gefordert. Wir sind mit diesen Zäunen selbst nicht glücklich und können den Unmut der Bevölkerung daher verstehen. Einige unserer Unternehmen haben nun bereits die Zäune freiwillig und auf eigene Verantwortung abgebaut. Damit tragen sie das Risiko, falls Menschen auf dem Gelände zu Schaden kommen. Und leider führt das Abreißen der Zäune auch zu einem anderen Ärgernis: Häufig werden dort illegal Müll abgeladen, die Natur verunstaltet und Erholungseinrichtungen wie Sitzbänke zerstört.

Darauf geben wir Ihnen unser Wort. Unsere Mitgliedsunternehmen sind teilweise seit mehr als 100 Jahren am Niederrhein angesiedelt. Wir leben und wir arbeiten hier. Deshalb setzen wir uns für unsere Region ein. Bereits vor Projektstart werden Maßnahmen zur Rekultivierung oder Renaturierung der Gewinnungsstätten festgelegt. Dabei arbeiten wir eng mit geologischen Forschungsinstituten, Natur- und Landschaftsschutzverbänden sowie örtlichen Naturschützern zusammen. Wir lassen keine wertvollen Rohstoffe liegen und ziehen von einer Abgrabung zur nächsten, sondern nutzen Lagerstätten vollständig. Dafür setzen wir moderne Technik ein. Außerdem errichten wir zum Schutz der Anwohner rund um unsere Werke zum Beispiel Lärmschutzwände. Mit unseren Nachbarn leben wir in gutem Einvernehmen. Von „schwarzen Schafen“ in unserer Industrie, die ihre Versprechen nicht einhalten oder Abgrabungsgebiete nicht wie vereinbart hinterlassen, distanzieren wir uns ausdrücklich.

Das wollen wir dringend vermeiden. Statt vieler kleiner Löcher, die die Landschaft zerschneiden, wünschen wir uns nachhaltige regionale Konzepte. Wir würden Planungen bevorzugen, bei denen zum Beispiel bestehende Werke erweitert oder kommunenübergreifende Naherholungsgürtel entstehen würden.