Rohstoffmonitoring-Bericht NRW: Studie entlarvt Mythen – Kiesbedarf bleibt hoch, Genehmigungen brechen weg Niederrhein, 1. April 2026 – Die Initiative zukunft niederrhein begrüßt ausdrücklich den Ansatz eines wissenschaftlich fundierten Rohstoffmonitorings. Die nun vom NRW-Wirtschaftsministerium...
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Nach OVG-Urteil: Versorgungssicherheit bleibt zentrale Herausforderung

Niederrhein/Münster, 12. Juni 2026 – Die heutige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen ändert nichts an einer grundlegenden Herausforderung für die Region Ruhr und ganz NRW: Die Versorgung mit heimischen Rohstoffen muss auch in Zukunft gesichert werden.

„Das Urteil beseitigt weder den Rohstoffbedarf noch schafft es neue Lagerstätten. Es beantwortet lediglich eine rechtliche Frage. Es beantwortet aber nicht die Frage, wie die Bauwirtschaft künftig mit Sand und Kies für Wohnungen, Straßen, Brücken, Schulen und die Energiewende versorgt werden soll“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer vonzukunft niederrhein.

Urteil kann Rohstoffbedarf nicht senken

Die Verfahrensunterlagen zeigen nämlich, dass die Versorgungslage bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Regionalplans mehr als angespannt war. Danach deckten die tatsächlich genehmigten Restflächen im Jahr 2024 nur noch einen gesicherten Versorgungszeitraum von rund fünf Jahren ab und die Genehmigungslage hat sich bis heute nahezu nicht verbessert. Wir steuern sehenden Auges in eine massive Versorgungslücke.

Gleichzeitig reicht die Tragweite des heutigen Urteils weit über die Rohstoffsicherung hinaus. Mit der vollständigen Unwirksamkeit des Regionalplans Ruhr verliert die gesamte Region ihre zentrale planerische Grundlage. Betroffen sind nicht nur die Festlegungen zur Rohstoffgewinnung, sondern unter anderem auch die Planung von Wohnbauflächen, Gewerbe- und Industriegebieten, Windenergiezonen sowie wichtigen Infrastrukturprojekten.

Ausgewiesene Gewinnungsflächen bleiben genehmigungsfähig

„Die Region Ruhr steht damit vor einer Phase erheblicher Unsicherheit. Das Urteil betrifft nicht nur die Rohstoffversorgung, sondern zahlreiche Zukunftsfragen der regionalen Entwicklung. Umso mehr stellt sich die Frage, ob die vergangenen Jahre nicht besser für einen konstruktiven Dialog und gemeinsame Lösungen genutzt worden wären, statt immer neue juristische Auseinandersetzungen zu führen“, erklärt Kruchen.

Allerdings bleiben die aktuell ausgewiesenen Abgrabungsbereiche auch in den Kläger-Kommunen nach dem heutigen Urteil genehmigungsfähig, es fällt lediglich die planerische Steuerung weg. Das bedeutet auch, dass die Unternehmen nun sogar Anträge für beliebige Gewinnungsflächen stellen können. Diese außergewöhnliche Rechtslage gab es vor einigen Jahren schon im Regierungsbezirk Köln

Die Rechnung landet bei Städten, Gemeinden und Bürgern

zukunft niederrhein warnt auch vor den Folgen einer weiteren Verknappung der heimischen Rohstoffversorgung. Die Preise für Sand und Kies sind in Nordrhein-Westfalen laut it.nrw in den letzten zehn Jahren um 90 Prozent gestiegen. Gleichzeitig kämpfen viele Kommunen mit erheblichen Haushaltsdefiziten und stehen vor großen Investitionen in ihre Infrastruktur. Wer dann die regionale Sand- und Kiesgewinnung weiter verknappt, macht Straßen, Brücken, Schulen und Wohnungsbau teurer.

„Der Preis einer unsicheren Rohstoffversorgung landet am Ende nicht bei den Gerichten, sondern in den Haushalten unserer Städte und Gemeinden. Und damit letztlich bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass neue Abhängigkeiten

meist erst dann bemerkt werden, wenn die Rechnung kommt. Wir sollten bei unverzichtbaren Baurohstoffen nicht denselben Fehler machen. Es geht nicht um die Interessen einer Branche. Es geht um die Frage, wie ein Industrieland seine Infrastruktur erhalten, bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Energiewende umsetzen und seinen Bürgerinnen und Bürgern auch künftig funktionierende öffentliche Leistungen bieten will“, so Kruchen abschließend.

Rohstoffmonitoring-Bericht NRW: Studie entlarvt Mythen – Kiesbedarf bleibt hoch, Genehmigungen brechen weg

Niederrhein, 1. April 2026 – Die Initiative zukunft niederrhein begrüßt ausdrücklich den Ansatz eines wissenschaftlich fundierten Rohstoffmonitorings. Die nun vom NRW-Wirtschaftsministerium vorgestellte Studie des RWI  bestätigt zentrale Aussagen der Branche und widerlegt zugleich zentrale Narrative der organisierten Kiesgegnerschaft.

Der Monitoringbericht stellt schon im ersten Satz unmissverständlich fest: „Die NRW-Industrie wird auch in den kommenden zehn Jahren noch in erheblichem Umfang auf die Gewinnung des Primärrohstoffs Kies und Sand angewiesen sein. “Zudem wird die wirtschaftliche Bedeutung klar benannt: „Die Sicherung der Versorgung der Bauindustrie mit Rohstoffen ist bedeutsam, weil eventuelle Engpässe mit wachstumshemmenden Auswirkungen verbunden sein könnten.“

„Wir haben ein wissenschaftliches Monitoring immer unterstützt, weil wir genau dieses Ergebnis erwartet haben“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer der Initiative zukunft niederrhein. „Nordrhein-Westfalen wird auch in zehn Jahren noch über 50 Millionen Tonnen Sand und Kies aus regionaler Gewinnung benötigen, bei einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung sogar bis zu 57,5 Millionen Tonnen. Genau das wurde von der Anti-Kies-Lobby jahrelang bestritten.“

Kein Rückgang, die Realität widerspricht der politischen Darstellung

Die vom NRW-Wirtschaftsministerium verbreitete Interpretation eines sinkenden Bedarfs ist irreführend. Sie basiert in der Studie auf einem Vergleich mit dem außergewöhnlich hohen Produktionsjahr 2022 und blendet die aktuelle Marktentwicklung vollständig aus. Tatsächlich liegt die Produktion bereits heute unter den prognostizierten Bedarfswerten für 2035.

Ein realer Nachfragerückgang lässt sich aus der Studie daher nicht ableiten. Im Gegenteil: Setzt man die Prognosen in Bezug zur aktuellen Produktion, ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf: im Mittel bei rund vier Prozent, bei positiver wirtschaftlicher Entwicklung sogar bis zu zwölf Prozent.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet das gleiche Institut, welches das Rohstoffmonitoring für die Landesregierung erstellt hat, in einer zeitgleich veröffentlichten Studie im Auftrag des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden2 zu einem klaren Mehrbedarf kommt. Dort wird für 2035 in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Primärrohstoffnachfrage prognostiziert, der überwiegend auf Sand, Kies und Naturstein entfällt. Die Annahme, der Bedarf werde automatisch sinken, ist damit selbst durch die eigenen wissenschaftlichen Grundlagen nicht gedeckt. „Wer jetzt von sinkendem Bedarf spricht oder sogar das Aussetzen von Genehmigungsverfahren fordert, hat die Studie entweder nicht gelesen oder bewusst missverstanden“, so Kruchen. „Die Realität ist eine andere: Der Bedarf bleibt hoch und die Versorgung wird schwieriger.“ 

Recycling: Studie beendet Wunschdenken

Die Studie setzt auch beim Thema Recycling einen klaren Faktencheck. Das zusätzliche Aufkommen an Recyclingbaustoffen steigt bis 2035 im Mittel lediglich um gerade einmal 0,6 Millionen Tonnen. Das entspricht nur gut einem Prozent des prognostizierten Bedarfs an Sand und Kies. Hinzu kommt noch, dass diese Mengen laut Bericht nicht vollständig als Ersatz für Sand und Kies zur Verfügung stehen, da sie auch andere Rohstoffe substituieren. Der tatsächliche Entlastungseffekt ist also noch geringer.

„Wir stehen klar hinter der Kreislaufwirtschaft und unterstützen jede sinnvolle Nutzung von Recyclingbaustoffen“, erklärt Kruchen. „Aber wir haben immer gesagt: Die Potenziale sind minimal. Die Studie bestätigt genau das. Die ideologischen Recycling-Fantasien der Kiesgegner haben damit keine Grundlage mehr.“

Besonders alarmierend ist vor diesem Hintergrund die tatsächliche Genehmigungssituation. Selbst wenn man hier die Annahmen der Studie zugrunde legt, müssten weiterhin über 90 Prozent des Bedarfs durch heimische Gewinnung gedeckt werden. Gleichzeitig brechen die genehmigten Gewinnungsmengen insbesondere am Niederrhein dramatisch ein: Im Regierungsbezirk Düsseldorf sinken sie bei unseren Unternehmen bis 2035 faktisch auf null, weil es keine wirklich verfügbaren Flächen mehr gibt. Auch im Bereich des Regionalverbands Ruhr verbleiben nur noch minimale Mengen. „Die Studie beschreibt einen klaren Bedarf, aber die Politik verhindert zunehmend dessen Deckung“, so Kruchen. „Das ist der eigentliche Widerspruch.“ Ohne eine verlässliche und realitätsnahe Genehmigungspolitik läuft Nordrhein-Westfalen sehenden Auges in eine strukturelle Baurohstofflücke.