Niederrhein/Münster, 12. Juni 2026 – Die heutige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen ändert nichts an einer grundlegenden Herausforderung für die Region Ruhr und ganz NRW: Die Versorgung mit heimischen Rohstoffen muss auch in Zukunft gesichert werden.
„Das Urteil beseitigt weder den Rohstoffbedarf noch schafft es neue Lagerstätten. Es beantwortet lediglich eine rechtliche Frage. Es beantwortet aber nicht die Frage, wie die Bauwirtschaft künftig mit Sand und Kies für Wohnungen, Straßen, Brücken, Schulen und die Energiewende versorgt werden soll“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer vonzukunft niederrhein.
Urteil kann Rohstoffbedarf nicht senken
Die Verfahrensunterlagen zeigen nämlich, dass die Versorgungslage bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Regionalplans mehr als angespannt war. Danach deckten die tatsächlich genehmigten Restflächen im Jahr 2024 nur noch einen gesicherten Versorgungszeitraum von rund fünf Jahren ab und die Genehmigungslage hat sich bis heute nahezu nicht verbessert. Wir steuern sehenden Auges in eine massive Versorgungslücke.
Gleichzeitig reicht die Tragweite des heutigen Urteils weit über die Rohstoffsicherung hinaus. Mit der vollständigen Unwirksamkeit des Regionalplans Ruhr verliert die gesamte Region ihre zentrale planerische Grundlage. Betroffen sind nicht nur die Festlegungen zur Rohstoffgewinnung, sondern unter anderem auch die Planung von Wohnbauflächen, Gewerbe- und Industriegebieten, Windenergiezonen sowie wichtigen Infrastrukturprojekten.
Ausgewiesene Gewinnungsflächen bleiben genehmigungsfähig
„Die Region Ruhr steht damit vor einer Phase erheblicher Unsicherheit. Das Urteil betrifft nicht nur die Rohstoffversorgung, sondern zahlreiche Zukunftsfragen der regionalen Entwicklung. Umso mehr stellt sich die Frage, ob die vergangenen Jahre nicht besser für einen konstruktiven Dialog und gemeinsame Lösungen genutzt worden wären, statt immer neue juristische Auseinandersetzungen zu führen“, erklärt Kruchen.
Allerdings bleiben die aktuell ausgewiesenen Abgrabungsbereiche auch in den Kläger-Kommunen nach dem heutigen Urteil genehmigungsfähig, es fällt lediglich die planerische Steuerung weg. Das bedeutet auch, dass die Unternehmen nun sogar Anträge für beliebige Gewinnungsflächen stellen können. Diese außergewöhnliche Rechtslage gab es vor einigen Jahren schon im Regierungsbezirk Köln
Die Rechnung landet bei Städten, Gemeinden und Bürgern
zukunft niederrhein warnt auch vor den Folgen einer weiteren Verknappung der heimischen Rohstoffversorgung. Die Preise für Sand und Kies sind in Nordrhein-Westfalen laut it.nrw in den letzten zehn Jahren um 90 Prozent gestiegen. Gleichzeitig kämpfen viele Kommunen mit erheblichen Haushaltsdefiziten und stehen vor großen Investitionen in ihre Infrastruktur. Wer dann die regionale Sand- und Kiesgewinnung weiter verknappt, macht Straßen, Brücken, Schulen und Wohnungsbau teurer.
„Der Preis einer unsicheren Rohstoffversorgung landet am Ende nicht bei den Gerichten, sondern in den Haushalten unserer Städte und Gemeinden. Und damit letztlich bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass neue Abhängigkeiten
meist erst dann bemerkt werden, wenn die Rechnung kommt. Wir sollten bei unverzichtbaren Baurohstoffen nicht denselben Fehler machen. Es geht nicht um die Interessen einer Branche. Es geht um die Frage, wie ein Industrieland seine Infrastruktur erhalten, bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Energiewende umsetzen und seinen Bürgerinnen und Bürgern auch künftig funktionierende öffentliche Leistungen bieten will“, so Kruchen abschließend.


Der Film wurde jetzt in Stuttgart erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Für zukunft niederrhein war Geschäftsführer Sascha Kruchen vor Ort, der die Premiere auch zum Austausch nutzte, unter anderem mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der als einer der profiliertesten Kritiker überbordender Bürokratie gilt. Palmer machte dabei deutlich: „Der Film ist brillant, weil er die Kernthemen der Bürokratie in Deutschland herausarbeitet.“ Zugleich kritisierte er, dass viele der entscheidenden Probleme zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Der Film leiste hier einen wichtigen Beitrag. Bei ihm habe er „zig Déjà-vus allein aus der letzten Woche“ ausgelöst. Kruchen betonte: „Was viele Menschen am Niederrhein als regionales Konfliktthema erleben, ist in Wahrheit ein bundesweites Problem.“ Ob Kies, Sand oder Naturstein, die Gewinnung mineralischer Rohstoffe wird durch langwierige und zu komplexe Genehmigungsverfahren zunehmend erschwert. Projekte verzögern sich über Jahre, teilweise Jahrzehnte. Der neue Film des Kölner Regisseurs Søren Eiko Mielke widmet sich diesem Thema mit einer Mischung aus analytischer Schärfe und pointierter Leichtigkeit.
„Wer Floating-PV auf Baggerseen pauschal mit Greenwashing gleichsetzt, ignoriert nicht nur die Fakten, sondern schadet auch der Region“, erklärt zukunft niederrhein-Geschäftsführer Sascha Kruchen. „Unsere Unternehmen nutzen ihre eigenen Betriebsflächen zur regenerativen Stromerzeugung – das ist weder neu noch fragwürdig, sondern aktiver Beitrag zur Energiewende und zur Dämpfung der Stromkosten.“
Laut aktuellen Branchenberechnungen wird die regionale Gewinnung von Sand und Kies in der Region Niederrhein/Düsseldorf in den kommenden zehn Jahren um bis zu 85 Prozent zurückgehen, wenn keine politischen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, so die alarmierende Botschaft bei einer Pressekonferenz der Initiative am Montag (2.6.2025) in Kleve. „Wir stehen vor einem Paradoxon: Milliarden für die Infrastruktur sind da – aber niemand fragt, womit eigentlich gebaut werden soll“, sagt zukunft niederrhein-Geschäftsführer Sascha Kruchen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Rohstoffverknappung zur Kostenlawine – für Bauunternehmen, für Kommunen und am Ende für alle Steuerzahler.“ Das statistische Landesamt in NRW bestätigt schon jetzt steigende Preise bei sinkender Produktionsmenge – ein wirtschaftlicher Frühindikator für Versorgungsengpässe.
Ob Brücken, Straßen, Schulen, Krankenhäuser oder Kanalisation: Milliarden sollen in Deutschlands Infrastruktur fließen – doch die wichtigsten Baurohstoffe werden knapp. In der neuen Ausgabe von
„Wenn die Bauwirtschaft jetzt wieder Fahrt aufnimmt, drohen schnell Engpässe bei der Versorgung mit Sand und Kies“, erklärt Sascha Kruchen, Geschäftsführer von zukunft niederrhein. „Schon jetzt müssen beispielsweise im Regierungsbezirk Düsseldorf viele Sand- und Kiesbetriebe schließen, weil die nötigen Gewinnungsgenehmigungen fehlen. Wenn wir das Sanierungspaket erfolgreich nutzen wollen, braucht es eine verlässliche regionale Rohstoffgewinnung.“




